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Thema des Monats

Klimaerwärmung pro Zecken & Co.

Zecken brauchen Wärme und Feuchtigkeit. Mit der zunehmenden Klimaerwärmung können sie sich immer stärker ausbreiten...

Viele heute in Deutschland weit verbreitete Arten wurden durch den Menschen und seine Handelstätigkeit eingeschleppt oder eingebürgert. Wenn sie in ihrem neuen Lebensraum keine Feinde oder andere ihre Ausbreitung hemmende Faktoren vorfanden, so expandierten sie mit großer Geschwindigkeit. Und bis zu dem Punkt, wo ihnen Grenzen gesetzt wurden, die auch für ihren ursprünglichen Lebensraum typisch waren.

Als bekannte Vertreter aus dem Pflanzenreich sind beispielhaft die Kanadische Goldrute oder der Japanische Knöterich zu nennen (aus Gärten "ausgebrochene" ehemalige Zierpflanzen), als zoologische Beispiele sind die Wollhandkrabbe, die Regenbogenforelle oder der Waschbär bekannt.

Bei einigen Arten ist nicht ganz klar, ob der Warenverkehr des Menschen allein die Ursache für ihre Ausbreitung war, oder ob nicht vielmehr klimatische Veränderungen zu ihrer Wanderung von Süden nach Norden führten. Als Beispiel ist die Rosskastanien-Miniermotte zu nennen, welche durch ihre Fraßtätigkeit bewirkt, dass sich die Blätter frühzeitig einfärben und einrollen. Dadurch stehen die Blätter von Rosskastanien nicht mehr für die Photosynthese zur Verfügung und der Baum wird in seiner Vitalität geschädigt.

Bei weiteren Arten ist wissenschaftlich belegt, dass klimatische Veränderungen zu Ihrer Ausbreitung in Deutschland führten: das beginnt bei (ehemaligen) Zugvögeln wie dem Star, der vermehrt in Deutschland überwintert und sich nach Skandinavien ausbreitet, setzt sich fort mit stark temperaturabhängigen Pflanzen-Krankheiten und -Schädlingen wie z.B. Mehltau, Feuerbrand und Apfelwickler und findet seinen für den Menschen wenig vorteilhaften Höhepunkt bei Krankheiten wie FSME, Borreliose, Enzephalitiden, Dengue-Fieber, Gelbfieber, Malaria oder Leishmaniose und ihren sich in Deutschland ausbreitenden tierischen Krankheitsüberträgern - wie Zecken, Stech-, Sand-, Kriebelmücken, Gnitzen und Nagetiere.

Wie groß die Gefahr ist, zeigt eine im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) entstandene Studie unter der Leitung von Professor Walter Maier aus dem Institut für medizinische Parasitologie der Universität Bonn. Die Analyse der gegenwärtigen Situation zeigt, dass Wärme liebende Krankheitsüberträger und -erreger bereits nach Deutschland oder in unsere Nachbarstaaten eingeschleppt worden sind. So wurde die ursprünglich in Asien beheimatete Tigermücke (Aedes albopictus), ein Überträger des Dengue-Fiebers, bereits in Frankreich und Italien entdeckt. In Deutschland wurde eine hier bisher unbekannte Sandmückenart Phlebotomus mascittii gefunden, aktuell zusätzlich Phlebotomus perniciosus, ein aus Süd- und Südwesteuropa bekannter Überträger der Leishmaniose. In der Tat sind in Deutschland einzelne Leishmaniose-Infektionen bei Mensch und Tier aufgetreten, die nicht als "Reiseandenken" von Fernreisen mitgebracht worden sind.

Die Malaria gilt heute bei uns als bedeutendste "Importinfektion" (das heißt, sie wird im Ausland erworben), wie jährlich etwa 1.000 durch das Robert Koch-Institut (RKI) registrierte Erkrankungsfälle zeigen. Teile Deutschlands waren bis Mitte der 50er-Jahre Malaria-Gebiete, in denen einheimische Anopheles-Mücken die Krankheit an Menschen übertrugen. Sollten sich in Zukunft klimabedingt die Entwicklungs- und Ausbreitungsmöglichkeiten bestimmter Anopheles-Arten in Deutschland verbessern, entsteht mit zunehmender Zahl infizierter Personen auch ein steigendes Risiko, sich in Deutschland durch Stiche von Malaria-Mücken mit dem Erreger zu infizieren.

Zecken

Auch Zecken und damit von ihnen übertragene Krankheiten breiten sich nach Expertenmeinung in Europa weiter aus. Ursachen für ein verstärktes Ausbreiten auch in den Norden Deutschlands und darüber hinaus seien nach Meinung des Nationalen Referenzlabors für durch Zecken übertragene Krankheiten wahrscheinlich Klimawandel, globale Erwärmung und veränderte landwirtschaftliche Nutzung.

Zecken brauchen Wärme und Feuchtigkeit, das gilt vor allem für jene Zeckenart, die für Menschen besonders gefährlich ist, der Schildzecke (umgangssprachlich Holzbock). Bei Trockenheit oder Kälte sitzt die Schildzecke in feuchtem Laub am Boden. Wird es schwül-warm, zieht es sie ins Freie. Dann lässt sie sich mit Vorliebe auf Gräsern oder niedrigen Büschen nieder. Dort, und nicht etwa auf Bäumen, lauert der Parasit auf seine Opfer. Zecken stürzen sich also nicht auf Menschen, sondern gelangen nur bei direktem Kontakt auf sie. Besondere Vorsicht ist daher nicht auf breiten Waldwegen, sondern beim Spaziergang durch hohes Gras oder bei Streifzügen durch das Unterholz geboten. Und diese Regel gilt eben nicht mehr nur für das Frühjahr und den Sommer: auch im Herbst und im Winter sollte man einen Zeckenstich mit einkalkulieren. Durch den außergewöhnlich warmen Winter 2006/2007 haben sich die Zecken ungemein vermehrt, aus Bayern wurde chson vor Wochen der erste FSME-Fall gemeldet.

Der beste Schutz gegen einen Zeckenstich ist hinreichend dichte Kleidung. Auch die Verwendung so genannter Repellentien (wirksame Präparate, auch auf natürlicher Basis, erhalten Sie in Ihrer Apotheke), Mittel, welche die auf die Haut gelangte Zecke davon abhalten, zuzustechen, stellt eine wichtige Maßnahme gegen Zeckenstiche dar. Wird eine festgesetzte Zecke entdeckt, sollte man sie vorsichtig mit einer Pinzette oder Zeckenzange am Kopf bzw. Brustsegment greifen und sie, ohne sie zu quetschen, mit leichter Drehung herausziehen.

Schildzecken übertragen vor allem Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose, aber auch andere bakterielle Infektionskrankheiten wie die Ehrlichiose und Rickettsiosen oder die von einzelligen Parasiten der Gattung Babesia verursachte Babesiose.

FSME

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME wird durch das FSME-Virus (FSMEV) verursacht und durch einen Zeckenstich übertragen. Dies geschieht sofort beim Zeckenstich und nicht erst – wie bei der ebenfalls durch Zecken übertragenen bakteriellen Erkrankung Borreliose, wo Borreliose-Erreger mit den Ausscheidungen der Zecke in den menschlichen Körper gelangen - nach ungefähr 24 Stunden. Die Zecke kann das Virus in jedem Entwicklungsstadium von einem Wirtstier aufnehmen. Bei infizierten Zecken, die noch kein Blut gesogen haben, befindet sich das Virus in deren Speicheldrüsen. Das bedeutet, dass das Virus schon mit Beginn des Saugens auf den Wirt, z. B. den Menschen, übertragen wird. Eine frühe Entfernung der Zecke schützt nicht vor einer Infektion mit FSME-Viren.

Das FSME-Virus tritt in bestimmten Gebieten, den Endemiegebiete, gehäuft auf. Gefährdet sind bestimmte Berufsgruppen wie Wald- und Landarbeiter, 90 Prozent aller FSME-Infektionen haben jedoch ihre Ursache in Freizeitaktivitäten in diesen Endemiegebieten.

Bei ca. 30 Prozent der Infizierten kommt es zu einer Erkrankung, die in der Regel in zwei unterschiedlichen Phasen verläuft und mit Fieber und grippeähnlichen Symptomen einhergeht. Auch wenn es nur bei ungefähr 10 Prozent der Betroffenen zu der zweiten Erkrankungsphase kommt, so sind doch höchste Vorsicht und vorausschauendes Handeln (Impfung!) angesagt. Denn in der zweiten Phase befällt das FSME Virus das zentrale Nervensystem.

Eine FSME-Impfung ist der einzig sichere Schutz vor so gefährlichen Erkrankungen wie Entzündungen der Hirnhaut, des Hirngewebes, des Rückenmarkes und der Nervenwurzeln! Der heute verwendete Impfstoff bewirkt eine Immunität sowohl gegen den Erreger der "europäischen" Frühsommer-Meningoenzephalitis als auch gegen den "fernöstlichen Typ", das Russian-springsummer-encephalitis Virus (RSSE).

Nur etwa 15 Prozent der Deutschen sind laut Schätzungen geimpft, und wohl auch deshalb erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 300 Menschen an FSME. Wie wichtig Impfen gegen diese Viruserkrankung ist, zeigt Österreich, wo zwischen 83 und 96 Prozent der Einwohner geimpft sind. Die Zahl der Erkrankungen sank dadurch von bis zu 700 Fällen pro Jahr auf 50 bis 60.

Ein FSME-Impfstoff ist auch für Kinder verfügbar, somit stehen verträgliche und wirksame FSME-Impfstoffe für die ganze Familie zur Verfügung. Diese Impfstoff-Generation stellt sicher, dass Kinder jetzt nicht mehr auf den notwendigen Impfschutz vor FSME verzichten müssen und der Erwachsenenimpfstoff ebenfalls in optimierter Form vorliegt. Beide Impfstoffe sind frei von Konservierungsmitteln und Polygelin, so dass die Gefahr allergischer Reaktionen deutlich gemindert ist. Wegen seiner nachgewiesenen guten Verträglichkeit konnte der Kinderimpfstoff bereits für Kinder ab einem Jahr zugelassen werden.

Borreliose

Die Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi hervorgerufen welches zur gleichen Bakterienfamilie wie der Erreger der Syphilis gehört. Der große, bewegliche und schraubenförmige Erreger sondert im menschlichen Organismus Toxine ab, die zum Krankheitsbild der Borreliose führen. Die Borreliose wird meist als Lyme-Borreliose bezeichnet: Im Städtchen Old Lyme in den USA kam es in den siebziger Jahren zu einer epidemischen Ausdehnung von Borreliose-Infektionen. Es gibt keine borreliosefreien Gebiete in Deutschland

Die Borreliose wird fast immer durch einen Zeckenstich übertragen, jeder zehnte Zeckenstich führt zu einer Infektion. Da sich das Bakterium im Mitteldarm der Zecke befindet, wird der Erreger nicht - wie das beim FSME-Erreger der Fall ist - sofort beim Zeckenstich übertragen. Normalerweise gelangt der Borreliose-Erreger erst nach ungefähr 24 Stunden mit den Ausscheidungen der Zecke in den menschlichen Körper. Deshalb ist es angezeigt, eine saugende Zecke rasch zu entdecken und fachgerecht zu entfernen. Die entfernte Zecke dabei bitte nicht fortwerfen, sondern zur Untersuchung auf Borreliose-Erreger aufbewahren.

Die Borreliose verläuft in drei Stadien, wobei atypische Verläufe sehr häufig vorkommen. Die bei einer Borreliose auftretenden Symptome variieren so stark, dass eine korrekte Diagnose schwierig ist. Viele Beschwerden, die durch eine Borreliose hervorgerufen werden, können nämlich auch bei anderen Krankheitsbildern auftreten. Insofern sollte eine Blutuntersuchung durchgeführt werden.

Borreliose ist eine chronische Infektion, die auch erst nach Jahren ausbrechen und zu Gelenkentzündungen, Herz- und Nervenerkrankungen und einer allgemeinen Herabsetzung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit – oft kombiniert mit einem übermäßigen Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf - führen kann. Auch Verfärbungen der Haut sind möglich.

Eine erkannte Borreliose wird mit Antibiotika therapiert.

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Quelle: Text: meXXart pohl & veith GbR / Bild: BilderBox.com

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